Ohne Frage ist CBT von seinen Möglichkeiten her prädestiniert für kognitive Lernziele, also für Vermittlung von Wissen. Deswegen kann theoretischer Unterricht in der Regel völlig problemlos durch CBT ersetzt werden. Die visuellen Möglichkeiten der Lehrstoff-Darbietung auf dem Bildschirm mit Text, statischer und bewegten Farbgraphik und Simulation gehen dabei über das hinaus, was normalerweise im Live-Unterricht geboten werden kann. Nimmt man die mit dem PC mögliche Sprachausgabe und den Medienverbund mit Printmedien, CD-ROM und Video hinzu, so gibt es kaum ein kognitives Lernziel, das nicht erreichbar wäre.
Mit affektiven Lernzielen dagegen, also der Beeinflussung und Veränderung von Verhalten oder Einstellungen, tut sich der CBT- Autor erheblich schwerer als der Lehrer im Unterricht oder Seminar.
Denn bei CBT fehlt sozusagen der Pulsschlag des Lebendigen, es fehlt die Suggestivkraft des unmittelbar anwesenden Menschen mit seiner Körperlichkeit, seiner Gestik, Mimik und Sprache. Das gilt natürlich nicht nur für CBT, sondern für jedes apersonale Medium. Zwar kann man durch ein besonders aufwendige Machart des Lernprogramms einiges ausgleichen, genau wie bei einer Druckschrift, die affektive Ziele verfolgt. Dennoch muß festgestellt werden, daß komplexe affektive Lernziele von CBT wohl nur im Medienverbund mit Video zu erreichen sind. Immer dann also, wenn die rein sachliche Information und Ausbildung übergeht in ausgeprägt werbliche Kundeninformation, imagebildende Verkaufsförderung, messewirksame Unternehmenspräsentation und ähnliche Ziele, so wird man sehr genau abwägen müssen, ob CBT nicht mit einer Bildplatte gekoppelt werden muß.
Noch ungünstiger sieht es bei psychomotorischen Lernzielen aus, also der Schulung und des Drills von praktischen Fertigkeiten.
Denn diese Art von Lernziel ist bekanntlich nur durch eigenes Tun und vielfaches Üben zu erreichen.
Bei der schulischen Ausbildung geschieht dies im praktischen Unterricht oder Workshop. Dabei erläutert der Lehrer zuerst die zu erlernende Fertigkeiten, führt sie gegebenenfalls auch selbst beispielhaft aus und läßt dann die Lerner üben.
Der Kern der Sache ist, daß der Lerner die Fertigkeit an oder mit dem realen Gerät, der realen Maschine, usw. und auch mit den realen Werkzeugen erlernt und übt. Vor allem überwacht der Lehrer die Arbeit, korrigiert sie, gibt Lösungshinweise und motiviert den Lerner.
Auf der anderen Seite verfügt CBT über das einzigartige Mittel der Simulation.
Damit läßt sich zwar eine echte praktische Ausbildung nur in wenigen Fällen ersetzen, fast immer jedoch drastisch verkürzen.
Der Vorteil der Simulation ist, daß jeder ,,Handgriff``vom Programm kontrolliert und kommentiert werden kann, ganz ähnlich, wie es einem Lehrer im praktischen Unterricht möglich ist.